Welche Linux Distribution ist die richtige für mich?

Eine der wohl Häufigsten Fragen bei Neulingen ist die Frage welche Distribution die richtige für den Einstieg in die Linux-Welt ist. Dazu sollte vorab geklärt werden was genau eine Distribution ist.

Was ist eine Linux-Distribution?

Eine Linux-Distribution ist eine Zusammenstellung aus dem Betriebssystem-Kern (Kernel), grafischer Oberfläche (Gnome, KDE, xfce, -Desktop) und einer Auswahl an Programmen. Eine Distribution gibt es in der Regel auf CD oder DVD. Früher hat man sich CD-Sets noch in Buchhandlungen gekauft. Heutzutage ist es selbstverständlich dass man sich die CDs / DVDs in Form von ISO-Images herunterlädt und sich selber brennt.

Von diesen selber gebrannten CD / DVD Medien wird dann gebootet. Moderne Linux-Distributionen bringen fix und fertige Installer mit die einen durch die gesamte Installation führen und konfigurieren das System so vor dass man vernünftig mit arbeiten kann. Nach der Installation hat man ein fertig bootendes Linux-Betriebssystem mit grafischer Oberfläche und einer Vorauswahl an Programmen. Die heutigen Installer sind so fortschrittlich dass man meist keine Handarbeit mehr anlegen muss.

Die Installation von Linux läuft heutzutage so einfach wie nie zuvor ab. Zu meiner Zeit früher als ich anfing mit Linux bekam man allenfalls einen Standard-Kernel den man sich an die Hardware anpassen (konfigurieren) musste und selbst kompilieren musste. Weiterhin musste man den X-Server (für grafische Oberfläche) von Hand konfigurieren. Also einen Texteditor her nehmen und an der Konsole an die technischen Daten des Monitors anpassen. Und wehe man hatte das Handbuch mit den technischen Daten zum Monitor nicht zur Hand…. Ganz zu schweigen von der Vorstellung man schließt mal einen anderen Monitor an (!!). Die heutigen Installer leisten Quantensprünge in Sachen Hardware erkennen und Vorkonfigurieren.

Welche Linux Distribution ist die beste für mich?

Eins vorweg: Die beste Distribution gibt es nicht! Es gibt viele Distributionen die für Einsteiger gut vorkonfiguriert sind. Einige in meinem Bekanntenkreis schwören auf das kostenlose OpenSUSE. Nicht zu verwechseln mit dem kommerziellen SUSE Linux Enterprise. OpenSUSE stellt inzwischen eine ernst zunehmende Konkurrenz zu Ubuntu dar.

Eine individuelle Empfehlung kann ich den Einstieg nicht geben. Recht leicht machen den Einstieg die oben genannten Ubuntu und OpenSuSE Linux Distributionen. Alternativ schau dir einfach die Liste der Linux-Distributionen auf Wikipedia an. Dort wirst du bestimmt fündig. Probier einfach einige aus bist du dich festlegst. Mit Virtualisierungssoftware ist es ganz einfach eine Distribution zu testen. Mehr dazu im Artikel Linux in virtueller Umgebung testen.

Wenn du viel Zeit zum ausprobieren hast dann schau dir auf jeden Fall auch Debian an und wenn du sehr tief in die Thematik einsteigen willst dann schau dir Linux From Scratch an. Das ist ein Linux von der Pike auf selber zusammengestellt. Es gibt auch eine deutschsprachige übersetzte Anleitung dazu. Das ist aber nur für echte Freaks etwas die evtl. ihre eigene Distribution bauen wollen oder einfach nur so sehr in die Tiefen von Linux abtauchen wollen. Ich selber habe mir das auch mal angeschaut. Es ist sehr sehr Zeitintensiv und liegt aus diesem Grund bei mir auf Eis.

Verschiedenes

Der neue Unity Ubuntu-Desktop ist an sich gewöhnungsbedürftig. Manche kommen gut damit zurecht. Ich persönlich war eher Fan von dem alten „Old-School“ Gnome2-Desktop mit dem schlichten Menü oben links. Mit der Unity-Oberfläche kann ich mich nur bedingt anfreunden. Viel mehr könnte ich mich mit Xubuntu anfreunden, der den xfce als Standard-Desktop hat. Der xfce ist ein schlichter einfacher Linux-Desktop der nicht so überladen wirkt wie so manche andere.

Seit einiger Zeit teste ich auch vermehrt OpenSUSE. Ganz früher war meine erste Berührung mit Linux das SuSE Linux. Das hat nichts mehr mit dem heutigen kommerziellen SuSE oder dem freien OpenSUSE zu tun. Ich persönlich hatte mit dem alten SuSE sehr schlechte Erfahrung, da es nach fast jedem Update so dermaßen gescheppert hat dass fast nichts mehr ging danach. SuSE war damals im Vorteil dass sie eine der wenigen großen Linux-Distributoren überhaupt waren (neben RedHat bzw. heute Fedora und sehr wenigen anderen) und sich so etwas anscheinend leisten konnten. Das ganze war damals sehr wackelig. Als dann später so Distributionen wie Knoppix es vormachten wie es gehen kann, eine bootfähige CD mit fix und fertig installiertem und konfiguriertem Linux von CD aus startbar. Da mussten sich so manche Distributoren warm anziehen.

Debian war seinerzeit noch viel komplizierter zu installieren. Damals zogen viele SuSE und RedHat vor.

Aus heutiger Sicht haben meiner Meinung nach im Desktop-Bereich für die Masse Ubuntu und openSUSE die Nase vorn, und im Server-Bereich meiner Meinung nach wie vor Debian. Die Betonung lag bei „für die Masse“. Ich persönlich bin inzwischen bei Debian auf dem Desktop gelandet. Debian fühlt sich „naturbelassener“ an. Ist eher für Fortgeschrittene. Bei Debian kann man selber aufrüsten was man haben möchte. Bei der (zur Zeit des Artikels) aktuellen Version Debian 6 ist zum Glück noch der Gnome2 Desktop dabei.

In Fachkreisen ist das Thema der „richtigen“ Linux-Distribution ein sehr heißes Eisen ist und die Meinungen teilweise extrem stark auseinander gehen. Ich persönlich kann da nur aus über 15 Jähriger Erfahrung sprechen was meine besten Erfahrungen sind.

 

Postet mir doch mal in die Kommentare mit welchen Linux Distributionen Ihr die besten Erfahrungen hattet bzw. habt.

5 Gedanken zu “Welche Linux Distribution ist die richtige für mich?

  1. Das mit den Distributionen würde ich schon noch etwas genauer und weiter fassen.
    Welche Distribution genommen werden sollte, entscheidet sich meisst nach dem Einsatzzweck des Systems welches man mit Linux betreiben will.
    Will ich ein extrem Stabiles System, dass deswegen auch sehr konservativ verwaltet wird – immer mit dem blick auf stabilität – so fällt die Wahl wohl in der Regel auf Debian.
    Will ich Kommerziellen Support (Kein Admin kann alles), so fällt die Wahl auf RedHat (RHEL = RedHat Enterprize Linux) oder SLES (SuSE Linux Enterprize Server).
    Dagegen stehen Desktop Systeme, wo das Augenmerk auf Aktuellen Anwendungen, sowie möglichst viel unterstützte HW liegt. Hier kommen diverse Vorlieben zum Tragen. So leiten sich Ubuntu und dessen Ableger sowie viele weitere Distributionen von Debian ab, sind jedoch wesentlich aktueller als Debian, und bieten grosse aktueller Software Repositories. Wer also sein System mit den „apt“ tools administrieren möchte wird ein System aus dieser Linie für den Desktop wählen.
    Dagegen stehen die komerziell entwickelten Distributionen SuSE und RedHat – bei suse ist der freie Abkömlich openSuSE, bei RedHat entweder centOS oder Fedora – um hier bei den bekanntesten zu bleiben. Der Einsatz von SLES oder RHEL kostet Lizensgebühren – diese beiden Distributionen sind NICHT frei. openSUSE lehnt sich an SLES an, verwendet die gleichen installer und verwaltungstools (YAST), ist jedoch komplett lizenzkostenfrei. Gleiches gild für CentOS und Fedora im gegensatz zu RHEL. Hierbei lehnt sich CentOS sehr eng an die aktuellen RHEL Systeme an. Es ist dabei nicht ganz so konservativ wie Debian, der Augenmerk liegt hier aber auf die Stabilität, und nicht auf der Aktualität. Ganz im Gegensatz zu Fedora. Auch dieses leht sich – wenn auch nicht ganz so eng – an REHL an, ist jedoch sehr aktuell – wenna auch ausschliesslich freie (OpenSource!) Software mitgeliefert wird. Es gibt im Netz jedoch einige Repositories, die man in den Packagemanager (YUM) einbinden kann, und welche sehr aktuelle Software zur Verfügung stellen.
    Ein weiterer Entscheidungsgrund kann eine Software sein, die eingesetzt werden soll. Hersteller Komerzieller Software unterstützen oft nur ein oder zwei bestimmte Distributionen und schreiben manchmal sogar deren Version vor.
    Wichtig ist auch der Hinweis auf viele kleine spezialisierte Distributionen z.B. für Security Checks, Firewall Systeme, Video/Multimedia Systeme.
    Grundsätzlich lässt sich jede Distribution vollwertig aufrüsten und mit beliebigen Desktop und Softwarepacketen versehen. Das ist immer nur eine Frage des Aufwandes.

    • Hey Harry!
      War nur eine Frage der Zeit bis du meine Linuxwelt Homepage gefunden hast 🙂 Freut mich von Dir zu hören. Danke für deine Ausführungen und deine Ergänzungen.
      Liebe Grüße
      Stefan

  2. Da ich seit einem guten Jahr auf dem Linux-Zug sitze und eine ganze Reihe Distros auf USB und hdd getestet habe, ob sie meinen schmalen Bedürfnissen (recordings, backing tracks einspielen, flexibler im Instrumentalunterricht agieren können, Texte schnell exzerpieren und unkompliziert schreiben/veröffentlichen, et.al) genügen, kann ich auch ein Fazit ziehen. Der eine oder andere mag die Nase rümpfen, wenn da ein paar Namen von Distros fallen, aber hier sind sie:
    Für normale Desktop-Aktivitäten bin ich bei Zeven OS gelandet; nach meiner Auffassung ziemlich durchdacht. Vorher habe ich Ubuntu versucht, war ok., aber nicht umwerfend. Ich stehe mehr auf ein wenig Provisorium, an dem ich noch schrauben kann.
    Am häufigsten nutze ich aber verschiedene frugale Puppy-Distros, Wary habe ich auf zwei Altlaptops am Laufen, die sonst Elektroschrott wären. Auf einem uralten Vaio schnurrt ein LazyPuppy, sehr stabil, eine Freude damit zu arbeiten. Als Lehrer habe ich die Puppys als Frugalinstalls auf USB täglich in der Schule, alles läuft da rund und ziemlich fix. Seit ein paar Tagen teste ich AntiX Linux in der Base-Konfiguration, nicht übel. Knoppix 7.0 gefällt wegen seiner Schlichtheit und seines guten handlings.
    Ob ich bereue, Win und Apfel verabschiedet zu haben?

    Nope. Wenn jetzt noch Zeven OS nach den Aktualisierungen nicht mehr im Grub rumzicken würde, wäre alles ganz oben.

    Fred

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